Entwicklung und Evaluierung eines Trainings zur Steigerung der ganzheitlichen Gesundheit für die Generation „Plus“

Zusammenfassung:

Ziel des Forschungsprojektes ist es, ausgehend von einen ganzheitlichen Gesundheitsbegriff ein innovatives Training für die Generation „Plus“ zu entwickeln. Für einen Vergleich des ganzheitlichen Trainings mit herkömmlichen Gesundheitsprogrammen hinsichtlich Wirkung, Effektstärke und Nachhaltigkeit, wurde eine explorative Untersuchung durchgeführt. An dem entwickelten Drei-Gruppenplan nahmen 69 gesunde Personen im Alter von 50 bis 65 Jahren teil und wurden zu drei Messzeitpunkten über sechs Monate beobachtet. Die körperlichen Gesundheitsparameter sowie die  Auswertung der Fragebogendaten beim FAHW (Gesamtwert) und körperliches Wohlbefinden zeigten signifikante Verbesserungen für alle drei Gruppen. In den Aspekten psychische und soziale Gesundheit des FAHW, sowie beim SOC, PSQ, FERUS-Coping und dem Überdrussfragebogen konnten durch achtsamkeitsbasiertes und ganzheitliches Training signifikante Verbesserungen erzielt werden, wohingegen bei „nur“ körperlichem Training lediglich eine tendenzielle Verbesserung zu beobachten war. Der Aspekt Selbstwirksamkeit konnte nur in der ganzheitlichen Gruppe signifikant gesteigert werden. Die fMRT Messung fand nur bei den Gruppen mit einem körperlichem- und achtsamkeitsbasiertem Training sowie der Gruppe des ganzheitlichen Trainings statt, wobei in beiden Gruppen eine signifikant erweiterte metabolische Aktivierung des Precuneus und des hinteren zingulären Cortex (PCC) festgestellt werden konnte. Bei der Achtsamkeitsgruppe konnte zusätzlich eine signifikante erhöhte metabolische Aktivität der rechtsseitigen temporalen parietalen Verbindung ( TPJ) festgestellt werden. Ferner wurden außer den Zeiteffekten auch Zeit x Gruppen Interaktionseffekte nachgewiesen. Diese Forschungsergebnisse belegen, dass ganzheitlich betrachtete Gesundheit ebenso ganzheitliche Entwicklungs- und somit Trainingsansätze benötigt, die körperliche, mentale, emotionale, motivationale, volitionale und soziale  Trainingsaspekte integrieren.

Schlüsselbegriffe: ganzheitliche Gesundheit, Primärprävention, Training, Generation 50 plus

Die Bevölkerung in Deutschland wird zunehmend älter  - das zeigen aktuelle Statistiken und Hochrechnungen (Statistisches Bundesamt, 2009). Die Generation „Plus“ wird dadurch im Trainings- und Gesundheitsbereich eine immer zentralere Zielgruppe. Gerade für Menschen zwischen 50 und 69 ist es ein besonderes Anliegen den momentanen Gesundheitsstatus aufrecht zu erhalten oder zu verbessern. Dazu trägt die stetig steigende Lebenserwartung bei, die vor allem durch die medizinische Entwicklung und Versorgungsqualität positiv beeinflusst wird. Aber auch gesellschaftliche und kulturelle Faktoren wie Sozialisation und Bildung sowie das individuelle Gesundheitsverhalten haben einen positiven Einfluss auf den Alterungsprozess. Hier deutet sich bereits an, warum ein ganzheitlicher Gesundheitsbegriff für die Entwicklung von Trainingsinterventionen notwendig ist. Ein gesundheitsorientierter Lebensstil ist geprägt durch hohen Lebenssinn, ausdifferenzierte Glaubens- und Wertesysteme, sowie intra- und interpersonelle, materielle und immaterielle Ressourcen. Daran lässt sich erkennen, dass der Anspruch, auch bis ins fortgeschrittene Alter bei hoher Lebensqualität lange gesund und fit zu bleiben sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Lösungen erfordert.

Es existieren bereits zahlreiche Ansätze und Programme zur Prävention und Gesundheitsförderung. Für umfassende Gesundheitstrainings werden aber immer noch zu wenige und einseitige Lösungen geboten. Diese Arbeit ist ein Beitrag zur Entwicklung von Gesundheitsprogrammen, die eine horizontale (interkörperbezogene) Erweiterung in Richtung integrative Gesundheitsförderung ermöglichen. Berücksichtigt wurden physische, psychische, emotionale und soziale Faktoren. Die Grundidee für den Vergleich unterschiedlicher Trainingsmethoden ist, dass Verhaltensweisen von verschiedenen Ebenen aus gesteuert werden. Unabhängig davon, ob sie genetisch prädisponiert oder lebensgeschichtlich erworben sind. Innerhalb gewisser Grenzen können sie modifiziert oder gelöscht werden. Mehr über diese Grenzen herauszufinden, ist für die Entwicklung und Verbesserung integrativer Trainingspläne unerlässlich.


Gerade im Präventionsbereich ist eine lebenslange und systematische, wissenschaftlich begründete Gesundheits-förderung von großer Bedeutung. Je tiefer ihre Wurzeln neben der Verbesserung von gesundheitsrelevanten Verhält-nissen auch ins persönliche Verhalten des Menschen reichen, desto stabiler und nachhaltiger kann sie sich auf die Gesellschaft auswirken.

 

Integrative Gesundheit

 

Um ein ganzheitliches Training zu entwickeln, braucht es einen integrativen Gesundheitsbegriff, mit dem es sich praktisch arbeiten lässt. Bereits die zentralen Fragen der Untersuchung deuten die Schwierigkeiten an, einen umfassenden Begriff zu finden: Was bedeutet integrative Gesundheit? Wie lässt sich diese vor allem bei älteren Menschen in ihren Aspekten differenzieren und gegebenenfalls messen, beurteilen und steuern? Wie wirkt sich ein ganzheitliches Gesundheitstraining praktisch in der Lebenswelt aus?

Begibt man sich auf die Suche nach einem integrativen Gesundheitsbegriff, betritt man ein weites Feld dichter Zusammenhänge. Im Vorfeld der Studie wurde deswegen der theoretische Hintergrund sondiert, um relevante Schlussfolgerungen für ein ganzheitliches Gesundheitsprogramm aus folgenden Bereichen zu filtern:

  • Bestehende Gesundheitsmodelle

  • Zusammenhang von Alter und Gesundheit

  • Genetik und Epigenetik

  • Hirnforschung und Neurowissenschaft

  • Stress

  • Körper

  • Ernährung

  • Psyche

  • Emotionen und affektive Gestimmtheit

  • Kognition und Denken

  • Motivation, Volition, Verhalten

  • Persönlichkeit

  • Soziales und Beziehungen

  • Messung von Gesundheit

 

Aspekte individueller Gesundheit - inklusive Wohlbefinden, Lebensqualität und optimaler Funktionsfähigkeit -  finden sich bereits mit unterschiedlichem Umfang und Priorität in integrativen Gesundheitsprogrammen (Body - Mind - Interventionen) wieder (Burton, et al., 2009, Deckro, et al.2002, Dobos, et al., 2011, Lauterbach, 2008.  Lee, et al., 2012, Saylor, 2004, Strijk, et al., 2009, Tilvis, et al., 2012).

Hintergrund dieser Studie sind systemische Modelle, die ihre Inhalte auf gesundheitserhaltende, -stärkende und -fördernde Schutzfaktoren verschieben, das Paradigma der wechselseitigen Abhängigkeit und Beeinflussung von Teilsystemen, das Prinzip der Emergenz sowie die Sichtweise einer zirkulären, multikausalen und rekursiven Ursache-Wirkungs-Zuschreibung (Becker, 2006, Strunk, et al 2006, von Uexküll, et al 2008, Willke, 2006). Betont wird in diesen Modellen die individuelle, selbstregulative Dynamik der Veränderung von Gesundheit sowie die Wechselwirkung von biologischen Betrachtungsweisen und Umweltaspekten.

Vor diesem theoretischen Hintergrund bildet sich die Basishypothese der Pilotstudie für die ganzheitliche Gruppe: Im Zentrum steht das Individuum mit all seinen Aspekten der Gesundheit, die reflektiert, trainiert und entwickelt werden sollen.

Die theoretische Analyse ergab für das ganzheitliche Gesundheitsprogramm folgende Komponenten:

  • Training der Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination

  • Ernährungsempfehlungen

  • Achtsamkeits- und Akzeptanztraining

  • Emotionales Kompetenztraining

  • Mentaltraining und Training der kognitiven Leistungsfähigkeit

  • Stressregulationstraining

  • Motivationales und volitionales Training

  • Behaviorales Training

  • Training sozialer Kompetenzen

 

 

Konzept, Inhalt und Organisation der Gesundheitsinterventionen

 

Neben der Entwicklung eines die genannten Punkte umfassenden ganzheitlichen Trainings, sollen dessen Auswirkungen mit herkömmlichen Interventionen verglichen werden. Während sich bereits in der Theorie Probleme bei der Definition von Gesundheitskonzepten ergeben, ist es praktisch noch weit diffiziler treffende Unterscheidungen in den Zusammenhängen auszumachen. Körperliche, psychische und ganzheitliche Gesundheit sind in concreto stark verwoben und durchdringen sich gegenseitig. Für ein planbares Trainigskonzept ist es jedoch unabkömmlich zu wissen, welche Effekte welche Trainingsbestandteile haben. Um diese organischen Zusammenhänge zu separieren und deren Zusammenspiel zu erhellen, wurden die Teilnehmer der Studie in drei Gruppen eingeteilt.

Die Grundorganisation der Studie ist demnach eine Einteilung in folgende Gruppen: Körperliche Gesundheit (SP1), Körperliche und Psychische Gesundheit (SP2) sowie Ganzheitliche Gesundheit (SP3). Neben gleichem Altersdurchschnitt und Geschlechtsverteilung war ein Einschlusskriterium die gleiche Verteilung der Schulabschlüsse innerhalb der Gruppen. Alle Teilnehmer hatten einen ähnlichen Trainingszustand zu Beginn. Es handelte sich um ungeübte Personen mit keinem regelmäßigen Trainingsregime in der näheren Vergangenheit. Ausschlusskriterien waren aktuelle psychische und/oder körperliche Erkrankungen (Beeinträchtigungen), Klinisch relevante internistische oder neurologische Erkrankungen als auch Missbrauch oder Abhängigkeit von Medikamenten, Drogen oder Alkohol, aktuell oder in der Anamnese. Die Abbruchkriterien waren Neuerkrankung im Sinne der Ausschlusskriterien sowie das unpassende Verändern von Trainingsinhalten (z.B. werden Trainingsinhalte einer anderen Gruppe übernommen).

Nachdem die Wirksamkeit bei sportlichen Interventionen (körperliches Training) in mittleren bis großen Effektgrößen nachgewiesen wurde, sollte ein körperliches (Fitness)Training die Grundlage der Untersuchung bilden. Um eine realistische Aussage zu Wirksamkeit und Nachhaltigkeit (mittelfristige Integration in den Alltag) zu bekommen, sollte berücksichtigt werden, dass jedes der drei Vergleichsprogramme den gleichen Zeitaufwand benötigt. Da für ein Gesundheitstraining im Allgemeinen ein körperliches Training impliziert wird, diente der Zeitaufwand aus einem sportwissenschaftlich fundierten Trainingsprogramm als Referenzzeit. Zudem sollte die Gesamtdauer des Trainings eine untrainierte Personen nicht abschrecken, dennoch lange genug sein, um gesundheitsrelevante Effekte zu erzielen. Aus diesem Grund wurde ein Zeitraum von acht Wochen für das Seminar- und Workshop-Programm mit zusätzlichen individuell planbaren Trainingseinheiten angesetzt.

Tabelle: Übersicht der Interventions- bzw. Trainingsprogramme

Forschungsdesign

 

Es wurde eine explorative Untersuchung mit einem drei Gruppenplan und drei Messzeitpunkten über sechs Monate durchgeführt. Aus pragmatischen und motivationalen Gründen erfolgte die Teilnehmerzuordnung zu den Gruppen nicht durch eine geschichtete Randomisierung, sondern nach dem persönlichen Motivationsgrad, welcher mit Hilfe eines Gesundheitsfragebogens erfasst wurde. 

Stichprobe: Insgesamt  nahmen N = 69 gesunde Personen im Alter von 50 bis 65 Jahren (x = 55,7; SD = 4,38 / davon 58% Frauen) teil. Über 90% der Teilnehmer weisen ein Aktivitätsniveau auf, das als gesundheitlicher Risikofaktor zu werten war. Die Drop-Out Quote betrug 7,24%.

Studienaufbau: Der wöchentliche Trainingsaufwand umfasste für jede Gruppe etwa 4 Stunden pro Woche, die unterschiedlich gestaltet wurden, wie der ersten Tabelle zu entnehmen ist. 

Erhebungsinstrumente: Zur Veränderung der körperlichen Gesundheit wurde Blutdruck, Herzfrequenz, Herzratenvariabilität, Bauchumfang, Ausdauer- und Krafttest sowie bei ausgewählten Teilnehmern auch eine fMRT-Untersuchung des Gehirns durchgeführt, während psycho-soziale Gesundheitsparameter mit Instrumenten wie Fragebogen zum allgemeinen habituellen Wohlbefinden (FAHW), Sense of Coherence Scale (SOC), Perceived Stress Questionnaire (PSQ), Überdruss-Skala, Fragebogen zur Erfassung von Ressourcen und Selbstmanagementfähigkeiten (FERUS spezifisch Selbstwirksamkeit und Coping) erhoben wurden.

Abbildung: Studienaufbau und Ablaufplan

Methodik: Die Signifikanzprüfung zwischen den Teilstichproben erfolgte aufgrund der geringen Stichprobengröße nichtparametrisch mittels Friedman-Test (Chi2), zur Abschätzung der Relevanz wurden zusätzlich Effektstärken auf der Basis von Cohen-d-Tests errechnet. Um Veränderungen im Zeitvergleich zu analysieren kamen Varianzanalysen mit Messwiederholung (SPSS) zur Anwendung, eine Signifikanzbestimmung erfolgte über den Greenhouse-Geisser-F-Wert und Post-Hoc-Vergleiche wurden Bonferroni korrigiert. Die Innersubjekteffektstärken wurden mittels partiellen Eta-Quadrat berechnet. Anschließend wurde eine bivariate Korrelationsanalyse durchgeführt und die Signifikanz nach Pearson zweiseitig geprüft. Die gefundenen Zusammenhänge wurden abschließend mit einer linearen Regressionsanalyse analysiert.

 

Überblick der Studienergebnisse

 

Körperliche Gesundheit:

Die Hypothese, dass Bewegung und körperliches Training positiv auf Gesundheit wirken, konnte in dieser Studie für die Parameter Bauchumfang (SP1 p=.01 F=7; SP2 p=.01 F=6.1; SP3 p=.00 F=12,6) und Kraftleistungsfähigkeit (SP1 p=.00 F=32; SP2 p=.00 F=14.2; SP3 p=.00 F=21.4) in allen drei Gruppen belegt werden, während ein signifikanter Zusammenhang mit Ausdauer (SP3 p=.00 F=12.7) nur für die ganzheitliche Gruppe bestätigt werden konnte. Für die Messungen von Blutdruck, Herzratenvariabilität und Herzfrequenz konnten graduelle Verbesserungen festgestellt werden, die allerdings nicht das Signifikanzniveau erreichten.

Die Auswertung der Fragebogendaten ergab beim FAHW (Gesamtwert (SP1 p=.03 F=4.2; SP2 p=.00 F=15.2; SP3 p=.00 F=22.1) und körperliches Wohlbefinden (SP1 p=.01 F=6; SP2 p=.00 F=12.1; SP3 p=.00 F=15.6)) eine signifikante Verbesserung für alle drei Gruppen. In den Aspekten psychische (SP2 p=.00 F=16.2; SP3 p=.00 F=21.7) und soziale (SP2 p=.05 F=3.9; SP3 p=.01 F=6.8) Gesundheit des FAHW, sowie beim SOC (SP2 p=.00 F=9.5; SP3 p=.00 F=7), PSQ (SP2 p=.00 F=15.4; SP3 p=.00 F=24.3), FERUS-Coping (SP2 p=.00 F=8.4; SP3 p=.00 F=8.1) und dem Überdrussfragebogen (SP2 p=.00 F=21.8; SP3 p=.00 F=23.3) konnten durch ein körperliches- und ein achtsamkeitsbasiertes Training (SP2) sowie ein ganzheitliches Training (SP3) signifikante Verbesserungen erzielt werden, wohingegen bei „nur“ körperlichem Training (SP1) lediglich eine tendenzielle Verbesserung zu beobachten war. Der Aspekt Selbstwirksamkeit (SP3 p=.00 F=12,6) konnte nur in der ganzheitlichen Gruppe signifikant gesteigert werden. Die fMRT Messung fand nur bei SP2 und SP3 statt, wobei in beiden Gruppen eine signifikant erweiterte metabolische Aktivierung des Precuneus (SP2 p<.05; SP3 p<.05) und des hinteren zingulären Cortex (PCC) (SP2 p<.05; SP3 p<.05) festgestellt werden konnte. Bei der Achtsamkeitsgruppe konnte zusätzlich eine signifikante erhöhte metabolische Aktivität der rechtsseitigen temporalen parietalen Verbindung (TPJ) (SP2 p<.05) festgestellt werden. Ferner wurden außer den Zeiteffekten auch Zeit x Gruppen Interaktionseffekte nachgewiesen.

Psychische Gesundheit:

So konnten die Gruppen des körperlichen mit achtsamkeitsbasierten kombinierten Training sowie die Gruppe des ganzheitlichen Trainings beim FAHW (gesamt F=3,36; p=0.01; η²=0.10) und psychisch F=4,16; p=0.03; η²=0.12) signifikant bessere Ergebnisse erzielen. Eine Metaanalyse zur Verbesserung von psychisch-mentaler Gesundheit nach körperlichen Trainingsprogrammen konnte bezüglich Lebensqualität, Lebenszufriedenheit, Depression und positive mentale Gesundheit keine signifikanten Verbesserungen feststellen. Es konnte somit die Annahme untermauert werden, dass für das Aufbauen von Gesundheitseffekten im psychischen Bereich ein körperliches Training zwar sinnvoll, aber alleine nicht ausreichend ist - weder von der Signifikanz noch von der Effektstärke.

Emotionale Gesundheit sowie Stressbefinden:

Hierzu wurde der PSQ verwendet, der das emotionale Empfinden mit den Skalen für Freude und Sorgen integrierte. Die MANOVA bestätigte signifikante Effekte über die Zeit (F=39,04; p=0.00) bei hoher Effektstärke (η²=.0.39), zudem wurde eine signifikante (F=4,34; p=0.00) Zeit x Gruppe Interaktionswirkung bei mittlerer Effektstärke (η²=.0.14) festgestellt. Die Trainings bewirkten eine eindeutige signifikante Verbesserung mit hohen Effektstärken sowohl bei SP2 (d(t0-t1)=0,67; d(t0-t2)=0.74; η²=.0.46) als auch bei SP3 (d(t0-t1)=0,86; d(t0-t2)=0.91; η²=.0.55), nicht jedoch bei SP1. Auch hier weisen die Ergebnisse auf die Notwendigkeit einer erweiterten Sicht der Trainingsinhalte hin, da die Interventionen mit psychischen bzw. mental-emotionalen Modulen bessere Outcome-Ergebnisse zur Folge hatten.

Das Stressempfinden als emotionaler Gesundheitsaspekt scheint durch körperliches Training alleine nicht verbessert werden zu können. Die körperliche Gruppe profitiert bei der Skala Anspannung. Dies kann durch die engere Verschränkung der körperlichen mit der psychischen Komponente erklärt werden. Bei den Bereichen Sorgen und Freude bedarf es scheinbar anderer Trainingsformen. Emotionale Aspekte wie Freude und Sorgen lassen sich trainieren, es scheint allerdings, dass Achtsamkeitstraining in Bezug auf positive Emotionen (wie Freude) keine so hohe Wirksamkeit besitzt wie ein ganzheitliches Training.

Eine ergänzende Messung des emotionalen Aspektes fand durch den Überdruss-(Burnout) Fragebogen (Tedium-Scale) statt. Die MANOVA bestätigte wiederum signifikante Effekte über die Zeit (F=47,08; p=0.00) bei hoher Effektstärke (η²=.0.44), zudem wurde eine signifikante (F=4,21; p=0.00) Zeit x Gruppe Interaktionswirkung bei mittlerer Effektstärke (η²=.0.12) festgestellt. Auch hier wurde die These für ein psychisches Training (sowohl achtsamkeitsbasiert als auch ganzheitlich) bestätigt. Das Burn-out-Empfinden als psychisch-emotionalen Gesundheitsaspekt scheint durch körperliches Training alleine nicht verbessert werden zu können, Diese Ergebnisse zur Stressreduktion werden durch andere Studien bestätigt. So zeigten rein körperliche Trainingsinterventionen keine eindeutigen Verbesserungen, nur im Bereich Anspannung minimale Veränderungen, zudem wurden tendenziell eher Wirkungen bei bestehenden Beschwerden nicht aber als Präventionsmöglichkeit festgestellt. Jüngere Studien mit einem psychologischem Trainingsprogramm „Mindful-based-Coping“ erzielten ähnliche Ergebnisse. So reduzierte sich der Angst-, Depressions- und Stresswert bei Studenten signifikant bei teils hohen Effektstärken. Studien mit ganzheitlicheren Ansätzen konnten für Stress- und Angst(Sorgen)empfinden durch eine Erweiterung der Trainingsinhalte ebenso eine signifikante Verbesserung erreichen.

Motivationale und volitionale Gesundheit:

Auch das Kohärenzgefühl bildet den Gesundheitszustand übergreifend ab. Durch die MANOVA wurden beim SOC-Gesamt wurde eine schwach signifikante (F=2,24; p=0.07) Zeit x Gruppe Interaktionswirkung bei kleiner Effektstärke (η²=.0.07) festgestellt. Für den Verhaltensaspekt, also die motivationale und volitionale Gesundheit wurde kein Fragebogen zur Beurteilung verwendet, sondern das tatsächliche Verhalten. Messgrundlage war einerseits der Erfüllungsgrad der Trainingsvorgaben und andererseits das Training in Minuten pro Woche. Eine multivariate Varianzanalyse bestätigte bei allen Trainingsformen sowohl über die Zeit als auch einen Interaktionseffekt Zeit x Gruppe. Bei einer redundanten Messung mit den einzelnen Trainingsmethoden inklusive dem Gesamttraining weist bei den psychischen Trainings das Achtsamkeitstraining die höchste Effektstärke (η²=.0.49) auf, bei der Zeit x Gruppen Interaktion findet sich hier sogar die höchste Effektstärke (η²=.0.45). Bei dem Vergleich von körperlichen und psychischen Training weist das körperliche Training über die Zeit eine höhere Effektstärke (η²=.0.70), auf als das psychische Training (η²=.0.53), bei der Interaktion Zeit x Gruppe jedoch das psychische Training (η²=.0.40) zum körperlichem Training (η²=.0.23). Insgesamt scheint die Motivation bzw. die Willenskraft zur Trainingsprogrammerfüllung bei der körperlichen Gruppe am schwächsten, während sich diese im Laufe der sechs Monate bei der ganzheitlichen Gruppe am stärksten entwickelt hat.

Abbildung: Ergebnisabbildung der Zusammenhänge

Legende: KT = körperliches Training; KAT = körperliches und Achtsamkeitstraining; GT = ganzheitliches Training; InMe = Interventionsmethode; kM = keine Messung; FAHW k=körperlich, p=psychisch, s=sozial;

SW = Selbstwirksamkeit; CO = Coping; Ha = Handhabbarkeit; BO = Überdruss- bzw. Burnoutfragebogen;

BD = Blutdruck; HF = Herzfrequenz; HRV = Herzratenvariabilität; b = Nichtparametrische Korrelation nach Spearman-Rho; GSP=Gesamtstichprobe; – Korrelationen; – Regression; – MANOVA

Tabelle 1: Übersicht über die Zeitpunkte der Erfassung der Untersuchungsmerkmale zu Beginn (t0), während der geführten Trainingsphase (8 Wochen = t1), und nach dem eigenständigen Training (2 bis 6 Monat Ende der Trainingsaktivität = t2).

Anmerkungen: Es sind alle innergruppenspezifischen Effektstärken mittels Cohen d sowie alle intergruppenspezifischen Effektstärken anhand Varianzanalyse & Post Hoc Messung (Greenhouse Geisser/ Bonferroni) µ2  mit einem Signifikanzniveau p < .05 in schwarzer Schrift gekennzeichnet,  in grauer Schrift entspricht p > .0,5; bei Merkmalen / Aspekten sind die Messverfahren angegeben:  FAHW Fragebogen für allgemeines habituelles Wohlbefinden (Gesamt, körperliches, psychische und soziales Wohlbefinden bzw. Missbefinden); PSQ – Perceived Stress Questionnaire(Sorgen, Anspannung, Freude, Anforderungen);Überdruss  (Erleben körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung); SOC – Sense of Coherence Scale; N = Teilnehmerzahl; M = Mittelwert; SD = Standardabweichung;

Tabelle 2: Übersicht

Diskussion

 

Zwar war die Dauer der Pilotstudie für eine Nachhaltigkeitsbeurteilung zu kurz, doch bringt eine kritische Auseinandersetzung mit Forschungsdesign und Ergebnissen wichtige Punkte für künftige Forschungsarbeiten in den Blick. Zum einen sprechen die Ergebnisse dafür die Datenerhebung zu erweitern. So gestattet die Verwendung mehrdimensionaler Erfassungsmethoden von Gesundheit über objektive und subjektive sowie biologisch-medizinischer und psychologischer Parameter bereits zahlreiche Aussagen über Effekte gesundheitsbezogener Aktivitäten. Aber die prognostische Validität bzw. die methodologische Qualität einiger Instrumente (z.B. HRV-Messung; Blutdruck) ist noch nicht in allen Bereichen zufriedenstellend.

Da auch das Verhalten in der Beibehaltung und Entwicklung von Gesundheit eine große Rolle spielt, sind intrinsiche Motivation und Willenskraft, wie etwa Disziplin, Beharrlichkeit, Entschlossenheit oder Geduld - von entscheidender Bedeutung. Deswegen sollte für eine Gesundheitsmessung dieser Aspekt durch einen speziellen Fragebogen integriert werden. Auch der Bewusstseinsentwicklung und der Entwicklung von Akzeptanz mittels Achtsamkeitstraining konnte ein hoher Stellenwert zugewiesen werden. Gerade bei älteren Personen werden chronische Leiden wie Rückenbeschwerden wahrscheinlicher. Die Fähigkeit zur Akzeptanz von Schmerz wird dadurch zu einem entscheidenden Faktor und sollte mittels adäquater Instrumente gemessen werden. Dasselbe gilt für die kognitive, intellektuelle Leistungsfähigkeit. Gerade durch die Veränderung beruflicher Leistungsanforderungen ist sie im Bereich 50 Plus ein wichtiger Faktor für Trainingsmotivation und ganzheitliche Gesundheit und sollte in einer entsprechenden Gesundheitsmessung Zugang finden. Dieser kognitiven Fähigkeit kann der Begriff der persönlichen Gesundheitskompetenz zugeordnet werden. Nachdem zahlreiche Studien darauf hinweisen, dass die persönliche Gesundheitskompetenz einen bedeutenden Einflussfaktor für körperliche und psychische Gesundheit darstellt, sollte auch diese evaluiert werden. Das betrifft die Handlungsfähigkeit, die sich aus explizitem und implizitem Wissen und entsprechenden Fähigkeiten ergibt sowie die Handlungsbereitschaft, die geprägt ist durch die individuelle Motivstruktur und einer adäquaten Situationsreflexionsfähigkeit.

Da alle Inhalte und Werkzeuge beim ganzheitlichen Training sinnvoll sind und für eine Erweiterung der Methoden sprechen, wird vor allem ein Punkt für künftige Forschung zentral: Bei der Weiterentwicklung eines ganzheitlichen Trainings muss eine Lösung für die Vielfalt, Informationsfülle und Komplexität gefunden werden. Das ist ebenso für die praktische Nutzung, dem Ausprobieren und Integrieren im Alltag notwendig.

 

Fazit und Ideen für künftige Forschung

 

Ähnlich wie beim körperlichen Training, das bei einem NICHT-praktizieren die gesundheitlichen Risikofaktoren erhöht, sollte bedacht werden, dass eventuell auch das Nichtpraktizieren von psychoedukativen Training das Krankheitsrisiko erhöht.

Im salutogenetischem Sinne wurde durch das mit psychischen Inhalten erweiterte Training das Kohärenzgefühl signifikant verbessert. Diese Resilienzfaktoren können wiederum (wie beim körperlichen Training) nicht in kurzer Zeit aufgebaut werden, sondern bedürfen ebenso eines langfristigen und systematischen Trainings. Diese Studie zeigte auf, dass diese biologischen Anpassungsvorgänge, die auf neuronaler Ebene durch Hirnstrukturen und spezifischer Hirnaktivitäten realisiert werden, auch verändert und somit trainiert werden können, da metabolische Veränderungen mittels fMRT in signifikanter Ausprägung gemessen wurden.

Die Wirkmechanismen eines ganzheitlichen Trainings beruhen nicht nur auf monokausalen biologischen oder psychologischen Prozessen, sondern auf komplexen psycho-somatischen sowie soma-psychischen zirkulären systemischen Wechselwirkungen. Hier dürfte in Zukunft das Feld der Placeboforschung sowie der positiven Psychologie wichtige Erkenntnisse liefern.

Im Sinne des bio-psycho-sozialen Menschenbildes konnte diese Arbeit (außer der Gruppe körperliches Training) signifikante, mit kleinen bis mittleren, jedoch auf sechs Monate begrenzt, nachhaltige, soziale Gesundheitseffekte aufzeigen. Auch dieses Ergebnis zeigt auf, dass es sinnvoll ist, Gesundheitsförderung in einem integrativen Sinne, d.h. durch Erweiterung der Trainingskomponenten zu realisieren.

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Willke, Helmut. 2006. Systemtheorie I: Grundlagen. Stuttgart : Lucius & Lucius UTB Verlag, 2006.

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